Der Sicherheitsmarkt in Deutschland ist eine wachsende Brache. Hier tummeln sich eine Vielzahl von Anbietern, die Kunden Sicherheitsdienstleistungen versprechen. Die Bandbreite reicht von Milliarden-Konzernen wie Securitas bis zu Hausmeisterbetrieben mit angeschlossenem Sicherheitsdienst. Was können seriöse Sicherheitsdienstleister tun, um sich in diesem Markt hervorzuheben? In diesem Blogartikel wird zunächst erklärt, was die DIN 77200 eigentlich ist. Im Anschluss wird dargelegt, warum eine Zertifizierung nach DIN 77200 zwar Investitionen mit sich bringt aber letztlich sowohl kosten- als auch umsatzseitig Vorteile bietet.

Was ist die DIN 77200?

Die DIN 77200 aus November 2017 (offizieller Name: DIN 77200:2017-11 „Sicherheitsdienstleistungen“) gibt Auftraggebern Hilfsmittel an die Hand, um Sicherheitsdienstleistungen richtig zu planen und zu überwachen. Die Norm adressiert also Organisationen und Unternehmen, die ihr Eigentum schützen wollen. In der Praxis sind die Kunden von Sicherheitsunternehmen jedoch keine Experten. Vielfach kennen sie die Norm gar nicht. Insofern ist die DIN 77200 als Sammelwerk von Spielregeln für professionelle Sicherheitsdienstleistungen zu verstehen. Sie stellt Mindestanforderungen vor, die als Vertragsgrundlage dienen können. Bei öffentlichen Vergaben eignet sich die DIN 77200, um Leistungskriterien für die ausgeschriebene Dienstleistung zu definieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, die DIN 77200 standardisiert Sicherheitsdienstleistungen und schafft ein gemeinsames Verständnis von „Sicherheit“ bei Kunde und Dienstleister. Die Anwendung der DIN 77200 ist optional und muss je Auftrag und Dienstleistung expliziert definiert werden.

Die Zertifizierung nach DIN 77200 erfolgt durch akkreditierte Zertifizierungsstellen. Die Verfahren werden durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) überwacht, sodass höchstmögliche Objektivität und Vergleichbarkeit entstehen. (Tipp: Eine Liste der aktuell akkreditierten Unternehmen ist unter https://www.dakks.de/content/akkreditierte-stellen-dakks mit dem Suchbegriff „DIN 77200“ zu finden).

Nach außen zeigen, was das Unternehmen kann

Das sichtbare Ergebnis einer DIN 77200-Zertifizierung ist ein Zertifikat. Mit dem Zertifikat erhält das Unternehmen die Erlaubnis nach außen mit seiner Qualität und Leistungsfähigkeit zu werden. Bestehende und potenzielle Kunden erkennen sofort, dass das zertifizierte Unternehmen in der Lage ist die Leistungskriterien der Norm zu erfüllen.

Mehrwerte einer DIN77200-Zertifizierung

Durch eine Zertifizierung nach DIN 77200:2017-11 zeigen Sicherheitsdienstleister, dass sie eine unabhängig geprüfte, qualitativ hochwertige Dienstleistung anbieten können. Dies macht eine Abgrenzung zu den zahlreichen, semi-professionellen Anbietern möglich. Durch die Abgrenzung zum Ein-Mann-Unternehmen oder dem Sicherheitsdienst mit Büro im Wohnzimmer, ist die Verhandlung höherer Stundensätze möglich. Bei einer Beauftragung nach DIN 77200 einigen sich Kunde und Anbieter schließlich auf ein hohes Qualitätsniveau.

Sicher, nicht alle Kunden am Markt verlangen eine hohe Dienstleistungsqualität. Dennoch häufen sich Presseberichte über Probleme in der Branche (siehe [1],[2] oder [3]). Auftraggeber haben wenig Interesse daran den Namen im Zusammenhang mit einem schlechten Sicherheitsdienst in der Zeitung zu lesen. Aus diesem Grund ist eine Argumentation für höhere Stundensätze mit einem Zertifikat leichter. Da die Beauftragung nach DIN 77200 auf mit Zertifikat je Auftrag vereinbart wird, können weiterhin „klassische“ Dienstleistungen im üblichen Preissegment angeboten werden.

Im Ergebnis dieser Abgrenzung können zum einen neue Märkte bedient werden (z. B. die Teilnahme an Ausschreibungen) und zum anderen die Umsätze und die Profitabilität erhöht werden.

Standards als Grundlage für Digitalisierung und Kostenreduktion

Das Wort „Digitalisierung“ ist keinem Fachmagazin mehr wegzudenken. Unternehmen starten Projekte, damit sie auch irgendwas mit „Digitalisierung“ machen. Vergessen wird hierbei häufig, was der CEO der Telefónica Deutschland sehr trefflich ausdrückte: „Wenn Sie einen Scheißprozess haben und den digitalisieren, dann haben Sie einen scheißdigitalen Prozess.“ [4] In diesem markigen Zitat steckt eine wichtige Erkenntnis. Der wichtigste Schritt für die Digitalisierung kommt vorher. Digitalisierung braucht Prozesse. Prozesse wiederum benötigen Standards. Ein guter Prozess hat einen klaren Ablauf und ist einfach gestaltet. Für Sicherheitsdienstleister bedeutet das, die Einführung von standardisierten Prozessen ist eine notwendige Bedingung für die Digitalisierung von Teilprozessen. Eine Zertitifierung, die Prozesse bedingt, ist also eine Chance für die künftige Digitalsierung.

Im Zusammenhang mit der DIN 77200 kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Dieser wirkt sich auf die Kostenstruktur aus. Die Norm stellt klare Anforderungen an die Ausbildung des Personals. Je klarer die Prozesse und je geringer die Entscheidungsoptionen im operativen Geschäft, desto weniger besser-qualifiziertes (und damit kostenintensiveres) Personal ist notwendig. Gut ausgebildetes Personal kann also weniger operativen Aufgaben nachgehen, die ggf. höhrere Deckungsbeiträge erzielen.

Qualitätsmanagement ist integraler Bestandteil der DIN 77200

Eine Zertifizierung nach DIN 77200 setzt das Vorhandensein eines Qualitätsmanagementsystems (QMS) voraus (Kapitel 4.6 der DIN 77200). Diese Verkettung ist logisch, da ein QMS die notwendigen Steuerungsprozesse für „gute“ Dienstleistungen etabliert. Ein QMS verpflichtet das Management zur Mitwirkung bei der Steigerung der Qualität. Es ermöglich aber gleichzeitig die Steuerung des Unternehmens auf Grundlage objektiver Qualitätskriterien (z. B. anhand von Kennzahlen).

Durch Planungs-, Umsetzungs-, Überprüfungs- und Verbesserungsprozesse schafft ein QMS idealerweise ein nachhaltiges Qualitätsniveau. Selbstverständlich setzen Unternehmen auch ohne QMS Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität um. Die Wirkung ist aber nicht nachhaltig, wie die folgende Abbildung zeigt. Es fehlt schlicht an objektiven Überprüfungs- und Verbesserungsmethoden.

Abbildung 1: Verbesserung der Qualität ohne Managementsystem: Die Maßnahme „verpufft“ mit der Zeit

Durch das Managementsystem wird ein strukturiertes Vorgehen etabliert, das für das Erreichen und Halten eines definierten Zielniveaus notwendig ist.

Abbildung 2: Nachhaltige Qualitätssteigerung durch ein QMS

Vor der Zertifizierung: Prozesse kritisch hinterfragen

Im Rahmen einer Zertifizierung nach DIN 77200:2017-11 ist eine kritische Betrachtung der etablierten Prozesse ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Hierbei spielt es keine Rollen, ob die Zertifizierung erstmalig erfolgt oder aufgrund des alten Zertifikats auf Grundlage der Vorversion zum Jahresende.

Mit der Einführung des QMS und der Umsetzung der Anforderungen der DIN 77200 werden die notwendigen Grundlagen für nachhaltige Qualität geschaffen. Bei der Einführung oder Umstellung einer Zertifizierung bietet sich aber auch die einmalige Möglichkeit, die gewohnten Strukturen zu hinterfragen, zu Standardisieren oder zu Verschlanken. Das bedeutet zunächst einen Mehraufwand, der sich aber aus den genannten Gründen lohnt. Mittelfristig können durch gute Prozesse und digitale Unterstützung Kosten gespart werden. Eine Beratung bietet in diesem Zusammenhang einen wesentlichen Mehrwert. Der externe und unbefangene Blick eines Beraters hilft beim Erkennen von Verbesserungspotentialen.

 

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Eine Zertifizierung macht vor allem dann Sinn, wenn eine Abgrenzung vom Markt noch möglich ist. Im Bereich des Qualitätsmanagements hat sich in vielen Branchen gezeigt, dass nach einigen Jahren ein Zertifikat nicht mehr der Abgrenzung dient. Es wurde vielmehr zur Notwendigkeit. Ohne ISO 9001-Zertifikat ist heute kaum möglich für größere Unternehmen tätig zu werden. Heute sind es vor allem große Sicherheitsdienstleister, die mit Zertifizierungen werben. Regionale Anbieter können sich deshalb mit einem Zertifikat zur ernsthaften Konkurrenz entwickeln. Gerade schlanke Unternehmensstrukturen und Regionalität sind in Verbindung mit einer Zertifizierung ein gutes Verkaufsargument. Aber hier gilt: Der frühe Vogel, fängt den Wurm. Wenn die lokale Konkurrenz mit den gleichen Argumenten kommt, ist der Wettbewerbsvorteil dahin.

Warten Sie nicht länger und kommen Sie mit mir ins Gespräch. Ich prüfe Ihre Potentiale und wir  erarbeiten gemeinsam Ihren Weg zum Zertifikat, zur Kostenersparnis und zu neuen Kunden.

[1] Kaufmann, M. (2018). Cottbus: Drei Flüchtlinge von Gruppe attackiert. [online] Pnn.de. Verfügbar unter: https://www.pnn.de/brandenburg/wachdienst-in-der-kritik-cottbus-drei-fluechtlinge-von-gruppe-attackiert/21297212.html [aufgerufen am 30. Jan. 2019].

[2] Küppers, C. (2017). Doku über Sicherheitsdienste – Die dunkle Seite der Security-Branche. [online] bild.de. Verfügbar unter: https://www.bild.de/geld/wirtschaft/sicherheitsdienste/das-miese-geschaeft-mit-unserer-sicherheit-50422602.bild.html [aufgerufen am 30. Jan. 2019].

[3] n-tv.de (2017). Sicherheitsbranche kämpft um ihren Ruf. [online] n-tv.de. Verfügbar unter: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Sicherheitsbranche-kaempft-um-ihren-Ruf-article19938439.html [aufgerufen am 30. Jan. 2019].

[4] Heitmann, G. (2016). Interview in der Süddeutschen Zeitung: „Ich habe heute kein festes Büro mehr“ – CEO Thorsten Dirks. [online] telefonica.de. Verfügbar unter: https://blog.telefonica.de/2016/10/ceo-thorsten-dirks-im-sz-interview-ich-habe-heute-kein-festes-buero-mehr/ [aufgerufen am 30. Jan. 2019].

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