Nahezu jeder Sicherheitsdienst sucht nach Personal. Innerhalb der Branche wechseln Mitarbeiter häufiger den Arbeitgeber. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer der Hauptgründe ist vermutlich das unmögliche Verhalten einzelner Firmeninhaber und Geschäftsführer, die bei ihrem Personal sparen. Der Artikel zeigt auf, warum es falsch ist kurzfristige Einsparungen beim Personal vorzunehmen. Er erklärt, warum eine hohe Mitarbeiterfluktuation ein Kostentreiber ist. Zudem stellt der Artikel dar, warum eine Zertifizierung im Sicherheitsgewerbe als Element der Personalwerbung dienen kann.

Das Sicherheitsgewerbe ist eine klassische Serviceindustrie

Die „Management-Päpste“ Philip Kottler und Kevin L. Keller definieren in ihrem Buch „Managing Marketing“ vier Kriterien für Services [1]. Erstens, Services sind nicht greifbar. Dies trifft für Sicherheitsdienstleistungen in jedem Fall zu. Man kann sie nicht anfassen, schmecken, fühlen oder riechen. Das zweite Kriterium ist die Untrennbarkeit. Anders als bei Gütern können die Produktion und der Verbrauch eines Service nicht getrennt werden. Eine Sicherheitsdienstleistung wird im selben Moment konsumiert, in der sie „hergestellt“ wurde. Qualitätsschwankungen sind Ein weiteres Kriterium für Services. Die Qualität der Dienstleistung hängt von der Person ab, die sie ausführt. Dieser Aspekt ist für die weitere Betrachtung entscheidend. Das vierte Kriterium ist die Vergänglichkeit. Services können nicht gelagert werden. Der Bedarf muss immer just-in-time gedeckt werden. Ausgehend von Kottlers und Kellers Definition ist die Sicherheitsbranche eine klassische Serviceindustrie. Das ist sicherlich keine Überraschung aber eine wichtige Erkenntnis.

Der Mensch ist die zentrale Ressource im Sicherheitsgewerbe

Aus der Definition von Services wird klar, dass die wichtigste Ressource im Sicherheitsgewerbe das Personal ist. Um es etwas unromantisch und pragmatisch auszudrücken: Sicherheitsmitarbeiter sind Rohstoff, Produktionsmittel und Ware zugleich.

Mitte 2018 waren ca. 242.000 Menschen in der Sicherheitsbranche beschäftigt. Knapp 11.500 Stellen waren unbesetzt [2]. Das macht immerhin 4,75 % des gesamten Stellenpools aus. Es ist kein Geheimnis, dass die Sicherheitsbrache auch wegen ihres Rufs nicht besonders ausziehend für junge Menschen ist. Wenig verwunderlich ist also, dass die Zahl der Auszubildenden seit Jahren stagniert. Auszubildende umfasst hier nur die Personen, die eine Berufsausbildung zur Service- oder Fachkraft absolvieren. Mit dem Nachwuchs könnten gerade einmal 10 % der offenen Stellen mit qualifiziertem Personal besetzt werden besetzt werden. Die Zahlen zeigen, dass im Grunde jedes Sicherheitsunternehmen nicht genügend Personal hat oder in naher Zukunft haben wird. Das bedeutet rein betriebswirtschaftlich nicht anderes, als ein Mangel an Rohstoffen.

Sicherheitsdienstleister handeln entgegen des Marktes

In der Managementlehre bezeichnet man eine Situation, in der weniger Ressourcen verfügbar sind, als notwendig, als Verkäufermarkt. Auf einem Verkäufermarkt haben die Anbieter von Waren eindeutig die bessere Verhandlungsposition. Ist mehr Bedarf als Angebot vorhanden, steigen normalerweise die Preise. Überträgt man dieses Prinzip auf den Sicherheitsmarkt, müssten die Löhne kontinuierlich steigen. Aber nicht nur diese, auch die Preise für Sicherheitsdienstleistungen müssten steigen.

Schaut man nun in den Sicherheitsmarkt stellt man fest, dass die Preise für Sicherheitsdienste zwar steigen aber längst nicht in dem Maß, wie es für die Marktsituation üblich wäre. Trotz des Mangels an Ressourcen, bieten Sicherheitsfirmen ihre Dienstleistungen für Dumpingpreise an. Häufigstes Argument ist, dass bei Ausschreibungen nun mal der günstigste Anbieter gewinnt. Sicher aber günstig meint nicht zu jedem Preis.

Wer nur Deckungsbeiträge erwirtschaftet, geht trotz Umsatz bankrott

Die Niedrigpreisanbieter verkennen neben der Marktsituation andere betriebswissenschaftliche Grundprinzipien. Sicherlich machen Personalkosten einen Großteil der Kosten für die Dienstleistung aus. Aber wer nur auf Grundlage der Personalkosten kalkuliert, wird früher oder später Insolvenz anmelden müssen. Die Kosten für die Dienstleistung bestehen neben den direkten Kosten (also solche für Personal und Material) auch aus indirekten Kosten. Der Anteil der indirekten Kosten je Bewachungsstunde hängt von der individuellen Situation des Unternehmens ab. Der Zusammenhang zwischen Umsatz, Gewinn sowie direkten und indirekten Kosten in der folgenden Abbilung dargestellt.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Gewinn, Umsatz, direkten und indirekten Kosten

Das Geschäftsführergehalt muss verdient werden. Das Büro muss bezahlt werden. Der Fuhrpark will finanziert, unterhalten und ggf. ersetzt werden. Am Ende des Tages müssen auch Rücklagen für schlechte Zeiten gebildet werden (Risikorücklagen). All diese indirekten Kosten müssen betrachtet werden. Andernfalls reicht der Umsatz (also die eingenommenen Mittel) nur zur Deckung der direkten Kosten (sog. Deckungsbeitrag). Die Folge: Entweder spart das Unternehmen an den indirekten Kosten (was oft nicht möglich ist), bezahlt sein Mitarbeiter schlecht (und sogar rechtswidrig) oder geht bankrott. Alle drei Szenarien sind nicht erstrebenswert. (Lesen Sie hier, warum ein Preisvorteil keine nachhaltige Strategie ist.)

Personalkosten sind mehr als nur Lohnkosten

Für die akkurate Bestimmung der Personalkosten müssen mehr als nur die reinen Lohnkosten betrachtet werden. Mitarbeiter müssen qualifiziert werden. Nehmen wir die Anforderungen der DIN 77200-1 als Grundlage, müssen 30 Zeitstunden pro Jahr für eine Vollzeitkraft veranschlagt werden. In dieser Zeit ist der Mitarbeiter nicht produktiv. Obligatorisch ist auch die Teilnahme an Ersthelferschulungen alle zwei Jahre. Hinzu kommen Einweisungen auf Objekten, die Schulung von internen Prozessen, Arbeitsschutzbelehrungen etc. In der Summe ergibt sich ein signifikanter Anteil an.

Ausgehend von den individuellen Kenntnissen und Fähigkeiten eines Mitarbeiters sind ggf. noch weitere Fortbildungsmaßnahmen notwendig. Wenn z. B. ein Mitarbeiter mit einer Unterrichtung perspektivisch den Sachkundenachweis ablegen soll.

Zu beachten ist, dass Aus-, Fort- und Weiterbildungszeiten selbstverständlich vergütet werden müssen. Dies gilt ebenso für die Kosten für die Maßnahme an sich. Bei der Berechnung der Personalkosten müssen also Aus-, Fort- und Weiterbildungskosten sowie die Zeiten ebenfalls berücksichtigt werden. Die tatsächlichen Kosten pro Stunde liegen also über den reinen Lohnkosten.

Einarbeitung kostet viel Zeit und damit Geld

In einem Unternehmen, in dem die Mitarbeiter häufig wechseln, erhöht sich logischerweise der Anteil der Einarbeitungs- und Ausbildungszeiten pro Mitarbeiter. Jeder neue Mitarbeiter muss die Objekte, die Prozesse und die Arbeitsweise kennenlernen. In der Anfangszeit ist er deshalb weniger produktiv. In Abbildung 2 ist der Zusammenhang zwischen Einarbeitungskosten und der Produktivität exemplarisch dargestellt. Die Kosten für die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters können, je nach Komplexität des Unternehmens und der Dienstleistungen erheblich sein. Leider wissen viele Sicherheitsdienste nicht, was die Einarbeitung eines Mitarbeiters kostet. Saubere Prozesse helfen bei der Ermittlung der Kosten.

Abbildung 2: Zusammenhang zwischen Kosten und Ertrag eines Mitarbeiters bei der Einarbeitung

Grundsätzlich sind die Kosten für die Einarbeitung von Mitarbeitern unproblematisch. Nach einer gewissen Zeit amortisiert sich die Investition. Verlässt jedoch ein Mitarbeiter das Unternehmen relativ zeitnah, wird dies kritisch. Denn in diesem Fall haben sich die Kosten für die Einarbeitung noch nicht gerechnet (siehe Abbildung 3). Geschieht dies häufiger, muss der Unternehmer die Zeitspanne, in der sich die Investition in die Einarbeitung rechnen soll, verkürzen. Folglich steigen die Kosten je Stunde.

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen Einarbeitungskosten und Ertrag bei hoher Fluktuation

eine Weiterbildung ist auch keine Lösung

Einige Sicherheitsdienstleister kommen auf die Idee, die Kosten für die Einarbeitung zu sparen und Investitionen in Aus- und Weiterbildung zu minimieren. Das ist allerdings eine schlechte Idee. Wie sich aus der Definition von Services im ersten Abschnitt ergibt, hängt die Qualität des Produktes massiv von den Mitarbeitern ab. Wer also bei der Aus- und Weiterbildung spart, spart letztlich an der eigenen Qualität. Jeder Konsument kennt den Spruch: „Wer billig kauft, kauf zweimal.“ Für Services gilt eher: „Wer qualitativ minderwertig kauft, kauft nur einmal.“ Die Qualität des Produktes „Sicherheitsdienstleistung“ hat somit Einfluss auf die Kundenbeziehung. Ein unzufriedener Kunde wird sicher nicht in zweites Mal beim gleichen Unternehmen bestellen.

Jetzt könnte man argumentieren, dass dies nicht tragisch ist. Doch ist es! Jede neue Kundenbeziehung erzeugt Aufwand, der sich auf die Kosten auswirkt (Vertrieb, Kundenbetreuung, Erstellung von Objektplänen etc.). Zudem müssen die Mitarbeiter für jeden neuen Kunden eingearbeitet werden (=Kosten). Letztlich sorgt eine gute Kundenbeziehung aber auch für längerfristige Verträge. Diese wiederum führen zu besserer Planungssicherheit – auch bei den Mitarbeitern.

 

Eine DIN 77200-Zertifizierung erzeugt Klarheit bei der Planung

Die dargestellten Aspekte sind individuell abhängig vom Unternehmen. Leider gibt es auch in der Betriebswirtschaft keine Glaskugel, weshalb Kostenplanungen oftmals mit Annahmen durchgeführt werden. Sicherlich kann ein Unternehmen die individuellen Kosten für jeden Auftrag kalkulieren. Am Ende muss der Auftraggeber diese aber auch tragen. Also müssen die Rahmenbedingungen vertraglich vereinbart werden. Jede individuelle Vertragsgestaltung sorgt wiederum für Aufwand und dieser erzeugt – genau – Kosten. Eine Lösung für die Reduktion der Risiken bei der Planung ist Standardisierung.

Standardisierte Prozesse und Verträge bieten hier einen klaren Aufwand- und somit Kostenvorteil. Die DIN 77200 eignet sich in besonderem Maße als Grundlage. Sie gibt Auftraggebern Hilfsmittel an die Hand, um die Sicherheitsdienstleistungen richtig zu planen und zu überwachen. Zudem stellt sie Mindestanforderungen vor, die als Vertragsgrundlage dienen können. Der Aufwand für die Vertragsgestaltung wird somit reduziert. Durch eine Zertifizierung nach DIN 77200 kann ein Sicherheitsunternehmen nachweisen, dass es sich an die Verträge hält. Ein starkes Signal an die Kunden!

 

Mit der DIN 77200 erhalten auch Bewerber und Mitarbeiter Klarheit

Da die DIN 77200 verbindliche Regeln für die Aus-, Fort- und Weiterbildung definiert, eignet sich eine Zertifizierung auch als Instrument der Personalwerbung. Mitbewerber, die mit Dumpingpreisen agieren, werden nicht in der Lage sein, die Kosten für entsprechende Programme zu tragen. So können Sicherheitsunternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Durch kluges Personalmanagement kann zudem die Fluktuation reduziert werden. Es ergibt sich ein klarer Kostenvorteil – ganz ohne Tricksereien bei Löhnen.

 

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[1] Kotler, P. and Lane Keller, K. (2016). Marketing management. Boston [etc.]: Pearson.

[2] Bdsw.de. (2019). Sicherheitswirtschaft in Deutschland. [online] Verfügbar unter: https://www.bdsw.de/images/statistiksatz/Statistiksatz_BDSW_BDGW_BDLS_2019_0116.pdf [aufgerufen am 2. April 2019].

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