Angenommen, zwei Organisationen vereinbaren, sich im Ernstfall gegenseitig mit Lageinformationen zu unterstützen. Die eine Seite versteht darunter eine geprüfte, bewertete Darstellung der Lage aus einer festen Rolle; die andere eine erste Sammlung noch unverifizierter Meldungen. In diesem fiktiven Beispiel arbeiten beide mit demselben Wort, erwarten aber Verschiedenes. Der Abgleich fällt genau dann an, wenn die Information erstmals gebraucht wird.

Begriffe tragen in Organisationen feste Verfahren, Zuständigkeiten und Erwartungen. Bevor eine Zusammenarbeit vereinbart wird, ist zu klären, welche Begriffe die geplante Zusammenarbeit prägen — etwa Lageinformation, Eskalation oder Unterstützung. Für diese wenigen Begriffe genügt es festzuhalten, welches Dokument oder welcher Vorgang bei jedem Beteiligten gemeint ist, wer ihn erstellt und was die empfangende Seite daraus folgern darf.

Dass Begriffe sich nicht von selbst vereinheitlichen, kenne ich aus meiner eigenen Arbeit. In unserem veröffentlichten Working Paper „Bewertung von organisationaler Krisen-Resilienz anhand des Resilienzrisikoreifegrades“ (Rico Kerstan und André Röhl, NBS Northern Business School, Nr. 1/2025) setzen wir vor der Betrachtung von Bewertungsmodellen eine begriffliche Fokussierung auf organisationale Krisenresilienz voraus. Der Resilienzbegriff selbst ist nach unserer Darstellung durch Diskussionen aus der Physik, der Psychologie und der Ökosystemforschung geprägt. Selbst innerhalb einer Fachdebatte ist deshalb zunächst festzulegen, welches Verständnis gelten soll.

Ich übertrage diesen Befund auf die organisationsübergreifende Vorbereitung: Auch Partner mit ähnlichem Auftrag können unterschiedlichen Fachtraditionen angehören. Der Abgleich ist keine Glossararbeit für sich, sondern Vorbereitung einer bestimmten Zusammenarbeit. Für jedes zentrale Wort genügen drei Angaben: das gemeinte Dokument oder der gemeinte Vorgang, die erzeugende Rolle und die Folge, die die empfangende Seite daraus ziehen darf.

In einer gemeinsamen Übung lässt sich der Abgleich an einer konkreten Stelle prüfen, etwa an der ersten gemeinsamen Lagedarstellung. Entspricht das übermittelte Dokument der Erwartung der empfangenden Seite, trägt der Begriff. Entspricht es ihr nicht, ist die Abweichung ein Befund der Übungsauswertung, kein persönliches Missverständnis.

Wer eine gemeinsame Vorbereitung plant, beginnt den Abgleich deshalb mit den Begriffen, die in der ersten Stunde der Zusammenarbeit gebraucht werden. Weitere Begriffe können die Beteiligten im Verlauf der Zusammenarbeit gezielt klären, sobald die ersten Bedeutungen vereinbart sind.

Vom Beitrag zur Organisationsfrage

Organisationale Resilienz · KI-Transformation · Führung und Krisenmanagement

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