In einer fiktiven Krisenübung beschließt ein Stab, einen beschädigten Standort zu sichern, den Zugang zu kontrollieren und die Sicherung regelmäßig überprüfen zu lassen. Während diese drei Beschlüsse dasselbe Problem betreffen, bleibt der Ausfall einer anderen Betriebsleistung unbearbeitet. Die Zahl der Beschlüsse lässt deshalb noch nicht erkennen, auf welche Probleme sich die Arbeit verteilt hat.

Mein Konferenzmanuskript „The Decision Corridor: An Exploratory Rubric for Reviewing Temporal Actionability in Crisis Management Team Decisions“ (Rico Kerstan, Fassung vom 29.05.2026) entwickelt eine explorative Auswertungsrubrik. Der Entscheidungskorridor bezeichnet darin unter den jeweiligen Szenariobedingungen plausible und umsetzbare Handlungswege. Zehn positiv eingeordnete Entscheidungsepisoden bilden in der Untersuchung sechs zusammenhängende Entscheidungskomplexe.

Im Manuskript umfasst ein positiver Entscheidungskomplex zeitlich verbundene, innerhalb des Entscheidungskorridors eingeordnete Schritte zum selben Szenarioproblem. Die Zuordnung verhindert, dass eng verbundene Maßnahmen als voneinander unabhängige Leistungsbelege erscheinen. Eine breitere Verteilung solcher Komplexe ist dabei kein gesicherter Beleg besserer Teamleistung. Für das gesamte Beschlussprotokoll lässt sich die problembezogene Zuordnung nutzen, ohne damit bereits die fachliche Eignung jedes Auftrags zu bewerten.

Für die praktische Auswertung leite ich daraus eine getrennte Darstellung ab: Die Beschlussliste zeigt die einzelnen Aufträge; eine zusätzliche Zuordnung macht sichtbar, welche Probleme damit bearbeitet wurden. Im Beispiel gehören Sicherung, Zugangskontrolle und Überprüfung zunächst zu einem gemeinsamen Zusammenhang. Die Zahl der Einträge darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine andere Betriebsleistung noch keine erkennbare Bearbeitung erhalten hat.

Die für die Übungsauswertung zuständige Rolle sollte diese Zuordnung anhand des jeweiligen Zwecks vornehmen. Ein Auftrag kann mehrere Probleme berühren; dann ist die Überschneidung zu erläutern, statt ihn automatisch mehrfach zu zählen. Umgekehrt muss ein umfangreicher Problemzusammenhang nicht künstlich aufgeteilt werden, damit der Bericht ausgewogener aussieht. Maßgeblich bleibt, welche Entwicklung der Stab mit seinen Schritten beeinflussen wollte.

Bei der nächsten Krisenübung empfehle ich, eine Beschlussliste gemeinsam mit der Stabsleitung nach Problemzusammenhängen durchzugehen. Erst danach wird besprochen, ob die Aufmerksamkeit angemessen verteilt war. Ein unbehandeltes Problem kann bewusst zurückgestellt worden sein. Der Bericht sollte diesen Grund nennen und eine erneute Befassung zuordnen, statt aus der bloßen Zahl der Beschlüsse eine Leistungsbewertung abzuleiten.

Vom Beitrag zur Organisationsfrage

Organisationale Resilienz · KI-Transformation · Führung und Krisenmanagement

Weitere Fachbeiträge

Alle Fachbeiträge