Vor der zeitlichen Auswertung die Uhren der Quellen abgleichen
Übungsauswertung · Zeitbasis · Kommunikationsdaten · Rekonstruktion
2 min Lesezeit (Schätzung)
Telefonprotokoll und Beobachtungsbogen können unterschiedliche Zeitangaben verwenden. Bevor daraus eine Reaktionsfolge entsteht, muss ihre zeitliche Zuordnung nachvollziehbar sein.
Ein Telefonprotokoll verzeichnet einen Anruf um 10:14 Uhr, ein Beobachtungsbogen die zugehörige Lageinformation um 10:16 Uhr. In diesem fiktiven Beispiel wirkt der Anruf vorausschauend. Geht die Uhr des Beobachters jedoch drei Minuten vor, verändert sich die rekonstruierte Reihenfolge. Für die Auswertung ist deshalb zunächst zu klären, ob die Zeitangaben überhaupt unmittelbar vergleichbar sind.
Eine gemeinsame Zeitbasis bedeutet, dass Ereignisse aus unterschiedlichen Quellen auf dieselbe zeitliche Referenz bezogen werden können. Dazu gehören auch die Genauigkeit der Angaben und die Unterscheidung zwischen tatsächlichem Ereigniszeitpunkt und späterer Eintragung. Eine minutengenaue Notiz trägt keine sekundengenaue Aussage über einen Ablauf.
In meinem revidierten eingereichten Manuskript „Prototype-Based Evaluation of Communication Dynamics in Simulated Crisis Exercises (Germany): A DSR Approach“ (Revision 2, Einreichungsstand vom 12.05.2026) untersuche ich einen Prototyp zur Erfassung von Kommunikationsaktivität in Krisenübungen. Design Science Research bezeichnet die Entwicklung und Erprobung eines Werkzeugs für ein Praxisproblem. Der Prototyp erfasst unter anderem Beginn, Ende und beteiligte Geräte von Telefonverbindungen. Die technische Erfassung und die inhaltliche Bewertung anhand des Szenarios bleiben dabei verschiedene Arbeitsschritte.
Daraus leite ich eine Vorbereitung für die gemeinsame Auswertung ab: Die Übungsleitung sollte festhalten, welche Uhr die technische Aufzeichnung verwendet und worauf sich die Beobachtenden beziehen. Ein gemeinsam dokumentiertes Testereignis vor Beginn kann helfen, erkennbare Abweichungen zu bestimmen. Dabei wird auch vereinbart, wie nachträglich eingetragene Beobachtungen kenntlich bleiben.
Bei bereits vorliegenden Unterlagen prüft die Auswertungsleitung geeignete gemeinsame Ereignisse. Ein festgestellter Versatz wird nachvollziehbar berücksichtigt, während die ursprünglichen Angaben erhalten bleiben. Ohne belastbaren Bezug darf eine vermutete Abweichung nicht passend zum gewünschten Ablauf korrigiert werden.
Für die Übungsnachbesprechung folgt daraus eine begrenzte, aber wichtige Unterscheidung: Ist die Reihenfolge gesichert, lässt sich ihre Bedeutung besprechen. Bleibt sie offen, kann die fachliche Eignung einer Handlung trotzdem untersucht werden; eine Aussage über ihr vorausschauendes Timing wäre dagegen nicht ausreichend begründet. So bestimmt die zeitliche Genauigkeit der Quellen die Genauigkeit des Urteils.
Vom Beitrag zur Organisationsfrage
Organisationale Resilienz · KI-Transformation · Führung und Krisenmanagement