Fortschritt in der Übung ist Zwischenstand, kein Abschluss
Übungsreihe · Resilienzbewertung · Übungsnachbereitung · Krisenübung
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Ein Fortschrittsbefund aus einer Übungsrunde begründet noch keinen Abschluss; das vorab festgelegte Abschlusskriterium entscheidet über Fortsetzung oder Ende der Reihe.
Nachgeholt für den 31.10.2026
Angenommen, eine Organisation vergleicht zwei Übungsrunden und findet in der zweiten deutlich mehr überzeugende Entscheidungsarbeit. Die Leitung erklärt das Übungsprogramm daraufhin für abgeschlossen: Ziel erreicht, Mittel frei. An dieser Stelle wird ein Fortschrittsbefund mit einem Fähigkeitsnachweis verwechselt.
In meinem explorativen Konferenzmanuskript „The Decision Corridor: An Exploratory Rubric for Reviewing Temporal Actionability in Crisis Management Team Decisions“ (Rico Kerstan, Fassung vom 29.05.2026) berichte ich solche Rundenveränderungen als strukturierten Auswertungsbefund. Geprüft wird an jeder Entscheidungsepisode, ob sie rechtzeitig ansetzt, zum Problem passt und Zuständigkeiten und Aufträge klar festlegt. Erfüllen in einer Runde mehr Episoden diese Prüfkriterien, ist das Fortschritt unter Übungsbedingungen. Beobachteter Fortschritt in diesen Runden belegt jedoch nicht automatisch eine übertragbare Fähigkeit.
Für die Einordnung passt ein Ergebnis aus meiner Arbeit zur Resilienzbewertung. In unserem veröffentlichten Working Paper „Bewertung von organisationaler Krisen-Resilienz anhand des Resilienzrisikoreifegrades“ (Rico Kerstan und André Röhl, NBS Northern Business School Hamburg, Nr. 1/2025) beschreiben wir die Bewertung als Zyklus: Nach einem festgelegten Zeitraum folgt eine Neubewertung, die Fortschritte sichtbar macht, die Wirksamkeit von Maßnahmen prüft und neue Prioritäten setzt. Der Resilienzrisikoreifegrad ordnet die Krisenvorsorge einer Organisation in abgestufte Entwicklungsstände ein. Fortschritt ist darin ein Zwischenstand der Weiterentwicklung.
Für die Lernentscheidung nach einer Übungsreihe leite ich daraus ab: Ob die Reihe fortgesetzt wird, hängt vom zuvor festgelegten Übungsziel und Abschlusskriterium ab. Ist das Ziel noch nicht erreicht, richtet sich die nächste Runde auf die verbleibende Lücke, etwa einen anderen Szenarioausschnitt oder eine andere Fähigkeit. Die Konzeption legt vorab fest, welche Befunde ausreichen würden, um die Reihe abzuschließen. Ein solches Abschlusskriterium schützt auch vor dem Gegenteil, dem Üben aus Gewohnheit. Die Entscheidung über Ressourcen wird damit explizit, statt still aus einem Zwischenstand gefolgt.
Für die nächste Übungsplanung empfehle ich, Fortschritt und Abschlusskriterium gemeinsam zu dokumentieren. Gemeinsam begründen sie die Entscheidung, die Reihe fortzusetzen oder abzuschließen.
Vom Beitrag zur Organisationsfrage
Organisationale Resilienz · KI-Transformation · Führung und Krisenmanagement