Gutes Krisenmanagement oder Glück? Man kann es messen.
Organisationen, die Krisen überstanden haben, neigen dazu, das als Leistung zu werten. Manchmal war es das. Manchmal war es Zufall. Den Unterschied zu kennen, ist der Ausgangspunkt für systematische Verbesserung.
Das fehlende Referenzbild
In mehr als zehn Jahren Krisenmanagement ist mir eine Frage nicht losgelassen: Wann betreibt man wirklich gutes Krisenmanagement?
Anfangs habe ich vor allem auf die Organisation des Krisenmanagements geachtet. Strukturen, Prozesse, Rollen. Ein Aspekt, aber nur einer. Wie in Platons Höhlengleichnis: Ich hielt die Schatten für die Welt.
Das eigentliche Problem ist das Fehlen eines Referenzpunkts. Kaum eine Organisation hat ein klares Bild davon, wie gutes Krisenmanagement in der Krise tatsächlich aussieht. Die Krise überstanden zu haben ist eine Leistung — oder Zufall. Meistens weiß man das hinterher nicht sicher.
Was messbar ist
In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man den Unterschied zwischen Krisenmanagementleistung und Krisenmanagementzufall differenzieren kann.
In einer Übung ließ sich das erstmals konkret testen. Am Ende waren es keine ausgefeilten Instrumente — es waren Papierlisten und das systematische Zählen von kodierten Ereignissen und Ergebnissen.
Das Ergebnis: Ich konnte einem Kunden anhand von zwei Prozentzahlen zeigen, dass sein Team der Lage nicht vorangegangen war, sondern ihr nachgelaufen ist. Zwei Zahlen. Nicht mehr.
Das ist wenig — und trotzdem war es etwas, das vorher nicht existierte: ein messbares Bild der tatsächlichen Krisenmanagementqualität in einer realitätsnahen Situation.
Was daraus folgt
Das Instrument eignet sich aktuell nur begrenzt für die Auswertung echter Krisen. Mit entsprechender Dokumentation wäre auch das möglich.
Wenn es irgendwann eine Datenbasis gibt, könnte man tatsächlich vergleichen: War die Krisenreaktion eine Leistung — oder hat man sich nur gut dabei gefühlt?
Das Dunning-Kruger-Problem ist im Krisenmanagement besonders ausgeprägt. Wer nie in einer echten Krise war und nie systematisch geübt hat, schätzt seine eigene Kompetenz oft am höchsten ein. Das ist nicht böser Wille. Es ist das Fehlen eines Maßstabs.
Krisenmanagementqualität lässt sich messen. Wir sollten damit anfangen.
Zitierfähige Aussagen
“Die Krise überstanden zu haben ist eine Leistung — oder Zufall. Meistens weiß man das hinterher nicht sicher.”
“Kaum eine Organisation hat ein klares Referenzbild davon, wie gutes Krisenmanagement in der Krise tatsächlich aussieht.”
“Krisenmanagementqualität lässt sich messen. Wir sollten damit anfangen.”
→ P-DRIVEN: experimentelle Belege: Intelligence Briefs → Krisenübungen als Diagnoseinstrument: Leistungen