Im heutigen Beitrag von KRISENSICHER, dem Blog rund um Organisationale Resilienz in der Polykrise, setzt sich Rico Kerstan mit den Begriffen VUCA und BANI auseinander und fragt, was sie für das Krisenmanagement bedeuten.

In einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit und Komplexität geprägt ist, müssen Organisationen und Führungskräfte neue Ansätze und Rahmenbedingungen verstehen, um resilient zu bleiben. Zwei Konzepte, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben, sind VUCA und BANI, die beide unterschiedliche Perspektiven auf die heutige volatile Umgebung bieten. Darüber hinaus hat der Begriff Polykrise als Beschreibung für das Zusammenspiel multipler, ineinandergreifender Krisen an Relevanz gewonnen

VUCA ist ein Akronym, das für Volatilität (Volatility), Unsicherheit (Uncertainty), Komplexität (Complexity) und Ambiguität (Ambiguity) steht. Ursprünglich vom US-Militär nach dem Ende des Kalten Krieges geprägt, wurde es in der Folge von Führungskräften und Organisationen aufgegriffen, um die Herausforderungen und Bedingungen in einer schnelllebigen, unvorhersehbaren Welt zu beschreiben. VUCA hebt hervor, dass traditionelle Planungs- und Managementansätze oft zu kurz greifen, da sie die dynamische und unbeständige Natur der globalen Umgebung nicht ausreichend berücksichtigen.

  • Volatilität bezieht sich auf die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Veränderungen. Nicht nur die Natur dieser Veränderungen ist wichtig, sondern auch die Häufigkeit, mit der sie auftreten.
  • Unsicherheit entsteht, wenn die Gegenwart unklar ist und die Zukunft nicht vorhersehbar ist. Dies erschwert es, langfristige Pläne zu machen.
  • Komplexität entsteht durch die vielfältigen, oft miteinander verknüpften Faktoren, die Entscheidungen und Prozesse beeinflussen. In einer komplexen Welt sind einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen selten und Vorhersagen schwierig.
  • Ambiguität bedeutet Mehrdeutigkeit und die Existenz mehrerer Interpretationen der Realität. Dies erschwert klare Entscheidungen, da nicht immer eindeutig ist, welche Informationen relevant sind oder wie sie zu interpretieren sind.

BANI ergänzt VUCA

 Während VUCA eine weithin anerkannte Sicht auf die Herausforderungen in unserer globalisierten Welt bietet, ist BANI – ein Akronym für Fragilität (Brittleness), Angst (Anxiety), Nichtlinearität (Nonlinearity) und Unverständlichkeit (Incomprehensibility) – eine neuere Perspektive, die darauf abzielt, die aktuelle Ära noch präziser zu beschreiben.

  • Fragilität beschreibt Systeme oder Situationen, die trotz ihrer scheinbaren Stärke leicht zerbrechen können. In einer fragilen Welt können kleine Störungen große Auswirkungen haben.
  • Angst wird durch die ständige Präsenz von Bedrohungen und Unsicherheiten verstärkt. Sie betrifft individuelle und kollektive psychologische Zustände und beeinflusst Entscheidungen und Handlungen.
  • Nichtlinearität bedeutet, dass Ursache und Wirkung nicht proportional sind und kleine Ursachen große Effekte haben können oder dass Ergebnisse unvorhersehbar sind.
  • Unverständlichkeit weist auf die Schwierigkeit hin, komplexe Informationen und Phänomene zu verstehen und sinnvolle Muster oder Lösungen zu erkennen.

BANI und VUCA ergänzen sich in dem Sinne, dass beide Rahmenwerke unterschiedliche Aspekte der aktuellen globalen Herausforderungen hervorheben. BANI fügt dem durch VUCA beschriebenen Szenario eine Schicht emotionaler und psychologischer Reaktionen hinzu und betont die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit und Resilienz in noch stärkerem Maße.

 

Das Verständnis von VUCA, BANI und der Polykrise ist entscheidend

 Der Begriff Polykrise bezeichnet eine Konstellation, in der multiple, simultane Krisen sich gegenseitig verstärken und durch ihre Interaktionen neue Risiken und Unsicherheiten erzeugen. Diese Krisen können ökologischer, ökonomischer, sozialer oder politischer Natur sein und ihre Dynamiken sind oft eng miteinander verwoben. Der Diskurs um die Polykrise betont, dass traditionelle Ansätze des Krisenmanagements, die sich auf isolierte Ereignisse konzentrieren, nicht ausreichen, um den komplexen Herausforderungen der Gegenwart gerecht zu werden.

Das Verständnis von VUCA, BANI und der Polykrise ist entscheidend für die Entwicklung effektiver Strategien im Krisenmanagement. Organisationen müssen flexibel, anpassungsfähig und resilient sein, um auf die sich schnell verändernden Bedingungen reagieren zu können. Dies erfordert:

  • Eine Abkehr von starren Planungsprozessen hin zu agilen Methoden, die schnelle Anpassungen ermöglichen.
  • Die Förderung einer Kultur der Resilienz, die Mitarbeiter dazu ermutigt, proaktiv zu handeln und Unsicherheiten als Chance zu begreifen.
  • Investitionen in Technologien und Systeme, die eine schnelle Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse unterstützen.
  • Eine holistische Betrachtung von Krisen, die die vielfältigen Verbindungen und potenziellen Auswirkungen berücksichtigt.

VUCA, BANI und die Polykrise verdeutlichen, dass das Krisenmanagement der Zukunft nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv und präventiv sein muss. Es geht darum, Organisationale Resilienz nicht nur als Fähigkeit zur Wiederherstellung, sondern auch als Kapazität zur Transformation zu verstehen. Organisationen, die diese Perspektiven in ihr Management integrieren, werden besser positioniert sein, um die Herausforderungen einer zunehmend unvorhersehbaren Welt zu bewältigen.

Rico Kerstan ist der Gründer und Geschäftsführer der KR Krisensicher Risikoberatung GmbH. Im Blog KRISENSICHER schreibt er unter anderem über Krisenmanagement, Cybersecurity, Informationssicherheit und die Arbeit in Krisenstäben. 

 

 

 

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