Im heutigen Beitrag von KRISENSICHER, dem Blog rund um Organisationale Resilienz in der Polykrise, beschäftigt sich Rico Kerstan näher mit dem Konzept der Krisenübungen und welche Vorteile sie für Unternehmen haben.

In einer Welt, die durch ein krisenhaftes Grundrauschen gekennzeichnet ist, sind Krisenübungen ein entscheidendes Werkzeug für Unternehmen, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Sie bieten eine strukturierte Möglichkeit, auf potenzielle Krisenszenarien vorbereitet zu sein und die organisatorische Reaktionsfähigkeit im Falle einer Krise zu verbessern.

Krisenübungen sind simulierte Krisenszenarien, die ein Unternehmen durchführen kann, um seine Vorbereitung und Reaktion auf mögliche reale Krisensituationen zu testen und zu verbessern. Sie bieten eine sichere Umgebung, in der Teams und Einzelpersonen ihre Rollen und Verantwortlichkeiten in Krisenzeiten üben können, Entscheidungsprozesse schärfen und die Kommunikationswege innerhalb des Unternehmens sowie mit externen Stakeholdern überprüfen können.

Es gibt verschiedene Arten von Krisenübungen, die Unternehmen implementieren können, abhängig von ihren spezifischen Bedürfnissen und dem gewünschten Komplexitätsgrad:

  1. Funktionstests: Bei diesen Übungen werden die operativen Aspekte der Krisenreaktion in einem kontrollierten Umfeld getestet. Sie sind stärker fokussiert auf die Arbeitsabläufe und Prozesse und können spezifische Funktionen wie IT, Kommunikation oder Notfallreaktion umfassen.
  2. Schreibtischübungen: Diese Übungen sind diskussionsbasiert und konzentrieren sich darauf, durch das theoretische Durchspielen von Szenarien strategische Entscheidungsfindungen zu üben. Schreibtischübungen sind besonders nützlich für die Überprüfung von Plänen und Strategien sowie für das Aufdecken von Lücken in der Vorbereitung.
  3. Stabsübungen: Diese Übungen sind darauf ausgerichtet, die Führungs- und Entscheidungsprozesse innerhalb eines Teams oder einer Organisation unter simulierten Krisenbedingungen zu verbessern. Stabsübungen konzentrieren auf die kognitive und strategische Ebene der Krisenbewältigung. Dabei werden häufig komplexe Szenarien durchgespielt, um die Koordination, Kommunikation und Entscheidungsfindung zwischen den verschiedenen Ebenen und Abteilungen zu stärken. Stabsübungen sind besonders geeignet, um Führungskräfte und leitende Angestellte in der Handhabung von Krisensituationen zu schulen, ohne dabei operative Ressourcen zu mobilisieren.
  4. Vollübungen: Die umfassendsten Übungen, bei denen ein Krisenszenario so realistisch wie möglich nachgestellt wird, einschließlich der Mobilisierung von Personal und Ressourcen. Vollübungen sind besonders wertvoll, um die Einsatzbereitschaft und die Effektivität von Notfallplänen unter möglichst realen Bedingungen zu testen.

Krisenübungen bieten für Unternehmen viele Vorteile

Krisenübungen bieten eine Reihe von Vorteilen für Unternehmen, die über die reine Vorbereitung auf Notfälle hinausgehen:

  • Identifizierung von Schwachstellen: Durch das Simulieren von Krisenszenarien können Unternehmen Schwachstellen in ihren Plänen und Prozessen erkennen und korrigieren, bevor eine echte Krise eintritt.
  • Verbesserung der Kommunikation: Krisenübungen fördern die klare und effektive Kommunikation sowohl intern als auch mit externen Partnern und Stakeholdern.
  • Teamfähigkeit: Sie stärken das Teamwork und das Verständnis der verschiedenen Rollen und Verantwortlichkeiten im Krisenfall.
  • Entscheidungsfindung: Durch das Üben in simulierten Szenarien können Führungskräfte ihre Fähigkeiten zur schnellen und effektiven Entscheidungsfindung unter Druck verbessern.
  • Vertrauen und Beruhigung: Sie bieten Mitarbeitern, Kunden und Partnern die Sicherheit, dass das Unternehmen auf potenzielle Krisen vorbereitet ist.

Der Ablauf einer Krisenübung kann je nach Art und Umfang der Übung variieren, folgt aber im Allgemeinen diesen Schritten:

  1. Planung und Vorbereitung: Definieren der Ziele, Auswahl des Krisenszenarios, Festlegung des Umfangs und der Teilnehmer sowie Vorbereitung der benötigten Materialien und Ressourcen.
  2. Durchführung: Umsetzung der Übung gemäß dem vorbereiteten Szenario, wobei die Teilnehmer ihre Rollen und Reaktionen so realistisch wie möglich ausführen.
  3. Nachbesprechung: Sammeln und Diskutieren des Feedbacks von allen Teilnehmern, um Stärken und Verbesserungsbereiche zu identifizieren.
  4. Aktionsplan: Entwicklung eines Aktionsplans zur Adresse der identifizierten Schwachstellen und zur Verbesserung der Gesamtreaktionsfähigkeit des Unternehmens auf zukünftige Krisen.

Krisenübungen sind ein unverzichtbares Instrument im Arsenal jeder Organisation, die bestrebt ist, ihre Resilienz zu stärken. Indem Unternehmen regelmäßig solche Übungen durchführen, können sie sicherstellen, dass sie für die Unwägbarkeiten der Zukunft gerüstet sind und in der Lage sind, auch in den herausforderndsten Zeiten erfolgreich zu navigieren.

Rico Kerstan ist der Gründer und Geschäftsführer der KR Krisensicher Risikoberatung GmbH. Im Blog KRISENSICHER schreibt er unter anderem über Krisenmanagement, Cybersecurity, Informationssicherheit und die Arbeit in Krisenstäben. 

 

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